PLAY_gallery for still and motion pictures presäntiert:
"The Prora Complex and other
works " von Nuno Cera
22. Oktober - 19. November
2005
Vernissage: Freitag, der 21. Oktober 2005 - 19:00 Uhr
Prora:
Es sollte die größte Urlaubsmaschine des Dritten Reiches werden:
Das "Kraft-durch-Freude"-Bad Prora, ein Seebad für 20.000
Menschen. Adolf Hitler selbst hatte die Idee: Seine Vision war
ein monumentales Riesen-Seebad für den deutschen Arbeiter. Heute
steht seit Jahrzehnten eine monströse Ruine in den Dünen von
Prora, der Kriegsausbruch 1939 brachte den Baustopp. Prora ist
neben dem Nürnberger Parteitagsgelände und der Ordensburg
Vogelsang die größte bauliche Hinterlassenschaft der NS-Zeit.
Nuno Cera befasst sich in seinem künstlerischen Werk immer
wieder mit gesellschaftspolitischen Transformationsprozessen,
Sozialen Härten und kulturellen Brechungen. Er hat in seinem
Film „Prora“ ein Porträt des unmenschlichen Bauensembles gefilmt,
das in einer Vielzahl von Kamerafahrten die Ruine mit großem
Gespür für die interessantesten räumlichen und architektonischen
Hinterlassenschaften, aber eben auch mit großer Kälte,
portraitiert. Es ist eine Faszination ohne Bewunderung, er ist
weder ein Romantiker noch ein Sentimentalist. Anders als in
seinen anderen Filmen, fügt er erzählerische Momente ein,
Momente die das Ergriffensein von der Faszination am
Unmenschlichen zum Ausdruck bringen. Das rein Dokumentarische
ist unangemessen, deswegen setzt er Musik und in der finalen
Szene sich langsam verdichtenden Nebel ein. Man kann nicht
ergriffen sein ohne erschüttert zu sein und man kann nicht
erschüttert sein, ohne dies zum Ausdruck bringen zu müssen. Es
ist ein Hauch von Paul Celans Todesfuge, der mit dem Nebel in
die grauenhaften Räume strömt.
Nuno Ceras’ Filme handeln von der Erinnerung und von der
Nachhaltigkeit von Erlebtem und Gesehenem. So geben alle Filme
traumähnlich vor, wie sich die Bilder immer wieder im visuellen
Gedächtnis abspielen, wie sie sich von ihrer gesehenen
dokumentarischen Qualität mit einer subjektiven und
interpretatorischen Sicht verbinden. Prora ist ein Film über
einen historischen Ort, der in seiner Dimension und in seinem
Planungsgedanken wie auch in seinem jetzigen Zustand, gänzlich
unmenschlich und in seiner Größe unfassbar, vöölig solitär
dasteht.
Der Film ist Ausdruck eines subjektiven Blicks des Künstlers.
Der Protagonist dieses Prora-Films ist der vorgefundene Raum,
zerstört, gebrochen oder ausgebrannt. Er bleibt nachhaltig in
Erinnerung und hinterlässt Spuren im Gedächtnis des Künstlers.
Nuno Cera
Geboren 1972 in Beja, Portugal. Lebt und arbeitet in Berlin und
Lisboa.
Einzelausstellungen (auswahl): 2004 Pure Light Sala do Risco,
Lisboa; Dark Forces AH – Galeria de Arte Contemporânea António
Henriques, Viseu (cat.); 2003 Nuno Cera & Marianne Stoll Galerie
& Projekte Mathias Kampl, Berlin; Being Anywhere Galeria Pedro
Cera, Lisboa; DK, Kunstpunkt Berlin, Berlin; Berlin - a super-8
movie I-20 Gallery, New York; 2002 Access Künstlerhaus Bethanien,
Berlin; Two intimate investigations Kunstpunkt Berlin, Berlin.
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THE PRORA COMPLEX, 2005 Sound, 6´42´´(loop).Colour
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